Monatsarchiv: Oktober 2010

Auf Dächern sitzen

Wann sitzen wir wieder auf Dächern, trinken billigen Fusel, den wir uns nur mit Schraubverschluss gekauft haben, weil wir keine Flaschenöffner in unseren Flohmarkthandtaschen herumtragen? Wann schauen wir wieder über die Dächer dieser Kleinstadt, lassen uns on Werbetafeln anschreien und von Lichtern ertränken, reden über unser kurzes Leben und von der großen Welt, unserer Welt, die so klein ist und garnicht weit. Wir könnten uns vorstellen wie wir von Haus zu Haus springen, als wären wir Superhelden und könnten die Sternschnuppen einfangen, die wir seit Anbruch dieser schwül erhitzten Nacht zählen. Unsere geruschten Backen wären heiß vom Alkohol und wir würden sie an der, zur Hälfte geleerten, Flasche kühlen. Wir könnten uns auf die dreckigen Wolldecken setzen und Polaroids schießen, die Geschichten beinhalten, und Emotionen, und Geheimnisse. Es wäre eine Nacht voller Gespräche und Freundschaft, unvergesslich. Wir würden den Sommer ausklingen lassen und uns vielleicht mit unseren großen Plänen übernehmen. Aber das wäre uns egal, weil wir jung und wild sind, weil wir Träume und Ziele haben, weil wir leben wollen und können, sobald wir unser Abi haben. Denn wir stellen fest es gibt immer eine Zeit danach. Wir würden immer leider murmeln, uns vornehmen nicht einzuschlafen, um den feuchten, kühlen Sonnenaufgang mitzuerleben und ihn in einen Song fassen. Vertonen könnten wir ihn nie, weil wir mehr als unmusikalisch sind. Aber das ist nicht wichtig. Genau wie alles andere, hier, auf dem Dach, im Sommer, nachts. Es würde schön sein.

(via tumblr)

Ich schrie in die Spätsommernacht

Er schnauft noch. Liegt verschwitzt neben mir. Er stinkt. Was Er tut stinkt. Alles stinkt.

 

Es fing an kurz nach meinem 14. Geburtstag. Mit zarten Berührungen. Mit einem überheblichen Lächeln. Mit geflüsterten Bemerkungen. Wenn ich aus dem Bad kam sah er mich an mit diesem Blick. Wenn ich vor ihm lief spürte ich seine gierigen Augen. Sie umgarnten meinen Körper. Meine ersten Kurven. Nahmen mir mein Selbstbewusstsein. Meine Freude an der Jugend.

Sie schaute er nicht an. Sie schaute weg.

Sie war nicht da als Er kam. Nur wir beide. Er und ich. Mehr Er als ich.

Ich wehrte mich nicht. Er hatte mich schon. Hat mich mit seinen Blicken ruiniert.

Sein Knie. Seine Hände. Sein Atem, schwer vom Alkohol. Sein gieriger Blick. Sein ekelhaftes Grunzen. Sein Gewicht auf mir. Es schnürte mir die Luft ab. Ich schrie in die Spätsommernacht.

 

Es ist Winter. Er geht aus dem Zimmer. Ich stinke nach ihm. Das Bettlaken hat Er befleckt.

Mama wird es waschen und nicht hinsehen.

 

Sie sagen das Kind kommt im Mai.