Schlimmer als Nachtschwarz.

„Und ich hebe die Arme um zu sehen ob die warme Nachtluft mich trägt.“ (Wir sind Helden)

Ich könnte lachen. Ich könnte weinen. Ich könnte schreien. Ich könnte träumen. Ich könnte rennen. Ich könnte lieben. Ich könnte… aber ich kann nicht.

Mir sind die Gründe dafür gegeben. Aber ich finde das Blaue vom Himmel nicht, nach dem ich Ausschau halte. Ich finde auch das Dunkel der finstersten Nacht nicht. Obwohl ich einiges geben würde, um wenigstens das zu finden. Und es wäre besser als dieses Nichts. Besser als dieser Zustand in dem ich die Mundwinkel hebe, dieses Lächeln aber nicht meine Augen erreicht. Besser als Tränen, die ich vergieße ohne traurig zu sein. Und besser als dieser Zustand in dem mich nichts berührt. Nicht einmal Musik, nicht einmal schöne Worte. Fühlt sich so etwa Leere an?

Plötzlich ist alles nur noch schön, weil mir die Argumente für schlecht fehlen. Plötzlich zieht alles einfach vorbei ohne seine Spur, seine Narben oder sogar seinen Schmerz zu hinterlassen. Die Menschen beeindrucken mich nicht mehr. Ich verdächtige nur jeden, mir mein Puzzleteil mit der Aufschrift Gefühl gestohlen zu haben. Ich merke das es fehlt. Und ich möchte merken wer es hat. Ich möchte merken ob es jemand hat, der damit gut umgeht. Ich möchte merken ob ich es von diesem Jemand überhaupt wieder haben möchte. Aber was ich jetzt möchte ist fühlen. Ist träumen. Ist wieder komplett sein.

Denn es reicht nicht 2 Beine zu haben, die einen mehr oder weniger sicher von Tag zu Tag tragen. Es reichen nicht 2 Arme, die man den Wolken entgegenstreckt, in ihnen aber nichts sieht. Es reicht nicht, einen Bauch zu haben der nicht mehr kribbelt. Es reichen auch keine Hände, die niemanden zum Fassen finden. Und es reicht ganz sicher nicht einen Kopf zu haben, der bei einem selbst ist. Innerlich.

Aber es reicht mir zu vertrauen. Denn das kann ich noch. Nicht (nur) in die Nachtluft, sondern auch in Menschen die mir eigens ein passendes Puzzleteil zurecht schneiden würden. Mit einer alten verklebten Bastelschere. Und in diejenigen die es mir einsetzen würden. Und das es die gibt, darauf vertraue ich auch.

Aber bis dahin bleibe ich in diesem Nichts. In dieser Leere. Als Abhärtung? Oder nur um auf das nächste Tief zu warten?

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2 Antworten zu “Schlimmer als Nachtschwarz.

  1. Vertrauen ist das wichtigste im Nichts. Was würden Seiltänzer machen, wenn sie nicht vertrauen würden.
    Und doch, es reicht nicht. Es braucht mehr als vertrauen. Es braucht ein bisschen Sicherheit. Bewiesene, stabile Mauern eines Gebäudes. Auffangbehälter für die Emotionen aus der Leere.

    (Großartig geschrieben.)

  2. Leere gehnt ja auch, dehnt sich aus.
    Mein Leitspruch ist ja, Tief im Herzen kommts auch wieder raus.
    So long!

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