Einsteigen, träumen, aussteigen.

Einsteigen. Ein leises Zischen. Hinsetzen. Bus fahren. Die Augen starr aus dem Fenster gerichtet, aber dennoch nichts im Blick. Musik im Ohr. Nichts will passen. An jedem Lied ist etwas auszusetzen. Und dennoch hat jedes eine Strophe, eine Zeile oder ein paar Worte, die Gänsehaut aufkommen lassen. Hören. Nachdenken. Über was? Über die vielen kleinen Wunder, die diesen Tag über passieren werden. Sich darüber wundern. Und kommt ‚wundern‘ denn überhaupt von ‚Wunder‘? Verwirrt den Kopf schütteln. Zu träumen beginnen. Wegträumen. Raus aus diesem klappernden ‚Öffentlichen Verkehrsmittel‘ und rein in die zahlreichen Rapsfelder. Wild durch sie hindurch rennen. Verfolgt werden. Huckepack genommen werden. Über die gelb gewordenen Klamotten lachen. Barfuß durch taufrisches Gras. Auf alten Hollandfahrrädern dem leichten Wind entgegenradeln. Ein Bremsen. Plötzlich. Nur eine Ampel. Rot. Dunkelrot. Ampelrot eben. Da ist man wieder, zurück in der Realität. Die Sekunden zählen. Menschen. In jedem Augenwinkel ein anderer. Jeder individueller. Sich Fragen stellen. Zu jedem von ihnen. Nicht etwa Was fährt er für ein Auto? Wie wohnt sie? Was verdient er? Uninteressant. Interessanter. Ist sie glücklich? Was ist seine Lieblingsschokolade? Spürt sie gerade die Liebe? Liegt er nachts wach im Bett? Keine Antwort finden. Schmunzeln. Pusteblumen zählen. Zum nächsten Lied klicken. ‚Wo fängt dein Himmel an?‘ Gute Frage. Die Lider schließen. Wieder. Jede Einzelheit kennen, an der man gerade vorbeibraust. Vor lauter Routine. Den Kopf anlehnen. Die Hände falten. Die Augen wieder öffnen. Fremden Menschen ein Lächeln schenken. Verwundert angestarrt werden. Zwischendurch eines zurück bekommen. Tuckernd von Dorf zu Dorf fahren. Dorf für Dorf verfluchen. Einwohnerzahlen wie 500 oder 1200 und manchmal sogar 2000 verfluchen. Millionen. Abermillionen. Das wäre schön. Das wäre Leben. Stirnzunzler. Die Tasche in die Hand nehmen. Es wird zum 7. Mal auf dieser Fahrt langsamer. Wieder ein leises Zischen. Diesmal eins für mich. Türen öffnen sich. Ausstieg.

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Eine Antwort zu “Einsteigen, träumen, aussteigen.

  1. Echt Crazy aber wirklich gut! Gefällt mir!

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