Im letzten Bus.

In der stickigen, staubgeschwängerten Luft hängt ein schwerer Alkoholgeruch. Ich denke an billigen Whiskey. Auf den alten Sitzen, mit dem wirren Muster liegen vereinzelte Brausekrümel von irgendeinem Szene-Getränk, die sich an meine nackten Beine kleben und ein unangenehmes Kitzeln verursachen. Ich sehe mein Spiegelbild im gegenüberliegenden Fenster an. Blonde Haare: zerzaust. Geschminkte Wimpern: verschmiert. Dreckige Füße in Ballerinas: verschrammt. Weißes Shirt: befleckt. Blaue Augen: leer. Junger Körper: blau gefleckt. Mir tut alles weh, meine Augenlider zehn und mein Kopf zwanzig Tonnen schwer. Mein Körper schreit nach Schlaf. Ich in die Nacht. Übelkeit. Von draußen höre ich Geschrei. Ein betrunkenes Paradebeispiel meiner Generation liegt auf der Straße und blockiert den Taxiverkehr. Er will anscheinend nicht viel, außer seine Zigarette behalten. Blaulicht. Ich sehe mich um, fühle mich nicht fremd zwischen den traurigen Gestalten mit den blutigen Nasen und den angesoffenen Melancholien. Müdigkeit, merke ich, ist stärker als Wille. Mein Kopf wird von meine linken Hand gehalten. Blaulackierte Fingernägel fahren durch, nach verdorbener Jugend riechenden, Haare. Meine Augen schließen sich, meine Gedanken wandern um das große Nichts und schmerzende Füße. Kein Geräusch mehr von meinen Freundinnen. Jede ist auf ihre Art unglücklich. Denn es ist 3:41, es ist Jahrmarkt, und wir sitzen im letzten Bus.

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2 Antworten zu “Im letzten Bus.

  1. „Müdigkeit, merke ich, ist stärker als Wille.“

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